• Lachyoga im Krankenhaus: „Wie eine Sofortmedikation“

    Lachyoga findet immer mehr Zuspruch auf der ganzen Welt. Die Methode enthält vereinfachte Atemübungen aus dem Yoga und wurde 1995 von dem indischen Arzt Dr. Madan Kataria entwickelt. Untersuchungen sollen nun belegen, dass es neben der Psyche auch physiologische Parameter beeinflusst, wie Blutdruck und Glukosewerte. Ein Pädiater aus Bayreuth berichtet über sehr gute Wirkungen auf die Psyche.

    Die Kinderklinik des Klinikums Bayreuth: 13 Menschen sitzen zusammen in einem Raum, darunter Pflegekräfte, Eltern von sehr kranken oder schwerstbehinderten Kindern und auch ein Pädiater der Klinik. Alle sind angespannt, manche fast verkrampft, die Gesichter wirken konzentriert und ernst. Doch nun sollen sie lachen, denn das hier ist ein Lachyoga-Seminar. Und wirklich, schon nach wenigen Übungen wird gelacht, dass die Tränen laufen.

    „Die Gesichter verändern sich, sie entspannen sich, die Augen beginnen zu strahlen, und im Raum ist Leichtigkeit zu spüren“, beschreibt die Trainerin Ute Liebhard aus Holzkirchen den Effekt von Lachyoga. Der Klinikchef Dr. Thomas Rupprecht bestätigt das und preist vor allem das „Lösen innerer Spannung“ und das „Loslassen-Können“. „Das Seminar wurde von allen Mitarbeitern sehr positiv bewertet“, betont der Pädiater gegenüber Medscape Deutschland. „Auch noch Wochen danach kamen die Teilnehmer zu einem Lächeln, wenn sie einander begegneten, was zu freundlicher Stimmung im Haus führte.“

    Kostenlose Seminare für Krankenhäuser

    Das Lachyoga-Seminar hatte der Münchner Verein „Zeit des Lachens e.V.“ Ende 2012 in der Bayreuther Klinik veranstaltet. Um die Wirkung zu dokumentieren, hat der Verein begonnen, Lachyoga-Seminare mit einer Studie zu begleiten [1]. Im Anschluss füllten die Teilnehmer deshalb Fragebogen aus.

    Alle 13 Klinikmitarbeiter und die Eltern, die in Bayreuth an dem Lachyoga-Seminar teilgenommen hatten, bestätigten die besondere, aufbauende Wirkung der Methode. Die Eltern gaben an, sie hätten Distanz zur Krankheit ihres Kindes gewinnen und so den Alltag eine Zeit lang vergessen können. Alle Teilnehmer wünschten sich, dass solche Lachyoga-Seminare regelmäßig angeboten werden. Die Studie wird weitergeführt, auch die nächsten Seminare, die der Verein Krankenhäusern kostenlos anbietet, sollen evaluiert werden. Sie dauern 2,5 bis 3 Stunden und werden von zertifizierten Trainern geleitet.

    Aus künstlichem Lachen wird schnell echtes Lachen

    Was ist Lachyoga? Dafür brauche man keine Comedy, keine Witze, ja nicht einmal einen Sinn für Humor, beschreibt es der Psychiater und Lachyoga-Lehrer Günter Stiewe aus Kastellaun [2]. Aus bestimmten Übungen heraus wird erst künstlich gelacht. Aus diesem gespielten Lachen wird aber sehr schnell echtes, fröhliches Lachen. „Der besondere Trick am Lachyoga besteht in der sofortigen Belohnung durch eine bessere Stimmung“, schreibt Stiewe.

    Stiewe hat klinische Erfahrungen mit Lachyoga in der Parkinson-Spezialklinik auf Helgoland gemacht. Ein Jahr lang praktizierten Patienten, die außer an Morbus Parkinson oft auch an Depression und Demenz litten, einmal wöchentlich Lachyoga, nicht selten in Begleitung ihrer Angehörigen.

    Übereinstimmend hätten die Teilnehmer von einer Besserung der Stimmung und des Antriebs berichtet, schreibt der Psychiater. Auch Demenzpatienten hätten von der Teilnahme profitiert. „Angehörige berichteten, dass es für sie sehr wichtig gewesen sei, einmal wieder gemeinsam mit ihrem demenzkranken Partner lachen zu können, denn häufig sei der Alltag von Missverständnissen oder gar Streitereien geprägt.“

    Senkt Lachyoga Blutdruck und Glukosespiegel?

    Die Studienlage zu den physiologischen Wirkungen des Lachyoga ist noch dünn, aber es gibt erste aktuelle Ergebnisse. Das Team um Simona Krebs, Lachtrainerin und Gründerin des Instituts für Lachyoga, hat diese Methode in verschiedenen Studien untersucht, slowenische Forscher von der Fakultät für Gesundheitswissenschaft der Universität Maribor waren beteiligt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen, die im Januar 2013 abgeschlossen worden sind, wurden bereits auf internationalen Kongressen vorgestellt, eine Veröffentlichung soll folgen.

    Hier eine Zusammenfassung:

    An 52 Probanden im Alter von durchschnittlich 52,5 Jahren wurde zum Beispiel gezeigt, dass 10 wöchentliche Lachyoga-Sitzungen den Blutdruck signifikant (p<0,05) senken konnten. Das galt allerdings nur bei den Teilnehmern, die keine Medikamente wie Antihypertensiva nahmen. Bei den Probanden, die wegen ihres Bluthochdrucks bereits unter einer Medikation standen, zeigte sich dagegen kein Effekt [3]. „Man kann nicht gleichzeitig lachen und denken. Deshalb funktioniert das so gut und so schnell.“
    Ute Liebhard

    Ähnlich positive Wirkungen wurden auch bei 69 Typ-2-Diabetikern festgestellt, denn Lachyoga konnte den postprandialen Glukosespiegel im Blut senken [4]. Die Forscher schließen daraus, dass Lachyoga als ergänzende Methode gut zur Vorbeugung gegen Bluthochdruck und Diabetes geeignet sei.

    Die Methode wirkt wie eine Sofortmedikation

    Lachen hellt vor allem die Stimmung auf. „Die Methode ist wie eine Sofortmedikation“, sagt Ute Liebhard, Lachtrainerin und Vorstandsmitglied des Europäischen Berufsverbands für Lachyoga und Humortraining. Eine Sofortmedikation, die den Kopf zur Ruhe bringe und die Gedanken in die Schranken weise. „Man kann nicht gleichzeitig lachen und denken. Deshalb funktioniert das so gut und so schnell.“ Probleme rücken vorübergehend in den Hintergrund, man entspannt sich, fühlt sich einfach wohl und tankt Kraft.

    Lachyoga ist für praktisch jedermann geeignet. Dass gerade auch alte Menschen profitieren, haben die Forscher aus Maribor in einer weiteren kleinen Studie mit 16 Bewohnern eines Altenheims gezeigt, die durchschnittlich 77 Jahre alt waren [5]: Nach 40 Minuten Lachyoga war der Blutdruck gesunken, die Sauerstoffsättigung im Blut gestiegen, die Pulsrate war gleich geblieben. Und vor allem fühlten sich die Menschen richtiggehend wohl.

    Es gibt allerdings auch Kontraindikationen für Lachyoga, etwa frische Operationen im Brust- und Bauchbereich, schwere psychiatrische Erkrankungen oder auch ein schlecht eingestellter Hypertonus. Denn Lachyoga ist ein körperorientiertes Verfahren.

    Zusätzliches Angebot, um Kommunikation zu verbessern

    Trotz aller positiven Effekte, die das Lachen hat, werden Veranstaltungen wie Lachyoga oder Lachclubs von vielen nicht besonders ernst genommen. Was hat sich die Bayreuther Kinderklinik von einem Lachyoga-Seminar versprochen? „In einem Klinikbetrieb kommt die Kommunikation auf der nicht-sachlichen Ebene in den Arbeitsteams oft zu kurz. Diese Kommunikationsformen sind aber wichtig, um den hohen Arbeitsdruck und die hohe psychische Belastung abbauen zu helfen. Neben den traditionellen Methoden wie Supervision und Teambesprechungen sehen wir Lachyoga als zusätzliches Angebot in diesem Bereich“, erklärt Rupprecht. Langfristige Ziele seien gewesen, die Zusammenarbeit im Team zu verbessern und Belastungsfaktoren abzubauen. Und das sei denn auch eingetreten, bilanziert Rupprecht.

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